Im Laufe des 19. Jahrhunderts führte eine Serie von Holzschnitten, den so genannten Suikoden, zur weiteren Entwicklung der Irezumi. Die Geschichten handeln von den Abenteuern der 108 ehrbaren Banditen. Seit 1750 gibt es in Japan übersetzte Version und in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die ersten illustrierten Suikoden von Katsushika Hokusai vervollständigt.
Vier der dort auftauchenden Helden wurden beschrieben mit Drachen, Blumen oder Wellen Tattoos. Hokusai zeigte diese Tattoos in seinen Bildern kombiniert mit Kirschblüten. Das Buch war ein Riesen Erfolg. Für die Geschichte des Tätowierens war die spätere Serie des Künstlers Utagawa Kuniyoshi wesentlich wichtiger. In Japan wurden durch ihn aus den vier Helden 16. Charaktere. Die, die im Original keine Tattoos hatten wurden hier nun tätowiert dargestellt. Seine Zeichnungen wurden wie ein Regelbuch dafür, wie Irezumi auszusehen hatten.
Suimon Yaburi
Er zerstörte die Schleusentore und ist vielleicht der berühmteste der Suikoden. Er versucht die Schleusentüren für die anderen Helden zu öffnen. Dabei wird er von einem Angreifer mit Pfeilen getötet. Das Motiv zeigt den Helden mit einem Schwert zwischen seinen Zähnen. Er begeht einen mutigen und selbstlosen Akt. Manchmal werden Karpfen und Wellen für die Stärke und Courage mit in die Motive eingebaut.
Kintaro - Der goldene Junge
Kintaro ist Japans eigene Version von Herkules. Sein Mythos basiert auf einem Samurai der Kintoki Sakate hieß. Geschichten darüber wie er in seiner Kindheit mit den Waldtieren und Freunden Abenteuer erlebte sind Hauptbestandteile der Legende. In Irezumi wird der starke Junge oft mit einem Karpfen unter einem Wasserfall kämpfend dargestellt. In anderen Bildern reitet oder bekämpft er Bären. Er wird in knallrot dargestellt; zusammen mit einem schwarzen Karpfen in einem Ying- Yang. Dies symbolisiert seine Stärke.
Jigoku Dayu - die Kurtisane der Hölle
Kurtisane bedeutet wörtlich “Höllen Kurtisane”. Jigoku Dayu ist eine reformierte high-class Kurtisane, welche die Erleuchtung erreicht hat. Die Rückseite ihrer Robe ist mit Bildern von Schädeln, Flammen und Emma-o, der buddhistische Herrscher der Hölle, geschmückt. Diese stehen für ihre Zeit als Prostituierte. Die Vorderseite zeigt Kannon, den Gott der Barmherzigkeit. Sie wird meist mit Kirschblüten, welche ihre Schönheit symbolisieren oder Pfingstrosen, welche ihre Macht symbolisieren, kombiniert. Jigoku Dayu ist sowohl bei Männern, als auch bei Frauen ein beliebtes Tattoo Motiv und sind ein gutes Tattoo für Menschen, die einen Wendepunkt in ihrem Leben gehabt haben oder noch einen haben wollen.
Shoki- Der Dämonenjäger
Schoki stammt aus der chinesischen Folklore. In Japan war er extrem beliebt in der Edo-Zeit und es gibt bis heute viele Holzdrucke die das beweisen können. Er war kein Dämon, er war der, der Dämonen jagte. Einer Legende nach hat er den großen Herrscher Xuanzong von einem Dämon befreit, der ihn krank machte. Wegen dieser Sage ist Shoki nun der Beschützer gegen das Böse und gegen Krankheit. Dies erklärt warum in einigen westlichen Teilen Japans Shoki-Figuren auf Dächern, in Fenstern oder über Türen zu sehen sind. Sie sollen die bösen Geister und vor allem Krankheiten aussperren. Als Tattoo hat Shoki dieselbe Aufgabe.
Benkei - Der große Krieger
Dieser große Krieger des zwölften Jahrhunderts war ein Mönch und war bekannt für seine Stärke, seine enorme Größe und seine Loyalität. Die Legende sagt, dass er 18 Monate im Körper seiner Mutter verbrachte. Als er endlich geboren wurde, war er dreimal größer als normale Babys und hatte Zähne und langes Haar. In einer seiner berühmtesten Geschichten bekämpfte er mehr als 300 Soldaten vor einem Schloss, sodass sein Lord Seppuku (Selbstmord) begann. Am Ende des Kampfes stellte man fest, dass Benkei von Pfeilen durchbohrt war und im Stehen gestorben war. Dieses Bild ist das was in den Irezumi oft zu sehen ist.
Oniwakamuru - Das Dämonen Kind
Oniwakamuru wird oft verwechselt mit Kintaro, da beide gegen einen gigantischen Karpfen kämpfen. Im Irezumi wird er oft als “Oniwakamuru besiegt den Karpfen” beschrieben. Ein junger Benkei mit einem gezogenen Messer, bereit dazu den Fisch zu bekämpfen, der das Dorf terrorisiert hat. Benkei hat eine bleiche Haut und in einem Kimono gekleidet.
Tamatori-Hime - Die selbstlose Heldin
Die Legende sagt, dass chinesische Kaiser Geschenke nach Japan schickten, nachdem der mächtige Politiker Fujiwara no Kamatari 669 AD gestorben war. Eines der Geschenke, eine kostbare Perle, gelang unter Wasser, weil sie vom Drachenkönig gestohlen worden war. Fujiwaras Sohn, Fujiwara No Fuhito, versprach das wertvolle Geschenk zurück zu holen. Wegen seiner Suche traf er eine wunderschöne Frau namens Ama. Die beiden verliebten sich und bekamen einen Sohn. Als Fujiwara endlich dazu kam sich auf die Suche nach der gestohlenen Perle zu machen, kam heraus, dass Ama eine Taucherin ist. Mit einem Messer in der Hand taucht sie tief ins Wasser und schnappe von dem Drachenkönig die Perle weg. Um zu entkommen öffnete sie ihre Brust und setzte die Perle ein, wissend, dass Drachen von Blut abgeschreckt würden. Als sie aus dem Wasser gezogen wurde, sah Fuhito, dass sie mit leeren Händen kam. Aber als sie sterbend vor ihm lag sagte sie: „meine Brust“. Die Perle war zurückerobert. Das Irezumi Motiv versucht Ama in dem Moment abzubilden indem sie die Perle in der Hand hält und ihr Schwert in der anderen. Auch wird sie gerne mit dem Drachen zusammen abgebildet. Sie wird normalerweise mit freiem Oberkörper gezeigt, da die Freitaucher bis zum 20. Jahrhundert nur wenig Kleidung trugen. Die Legende von Tamtori wurde nicht nur ein Symbol der Liebe des Herzens einer Frau, sondern stand auch symbolisch für mutige, selbstlose und hilfsbereite Menschen.
Die Hannya Maske
Ein Halb-Dämon mit Hörnern. Die Hanija Maske verwandelt attraktive Frauen in Dämonen um zu zeigen, wie etwas Wundervolles zu etwas Schrecklichem werden kann. In Irezumi werden gehörnte Hannya Masken in verschiedenen Farben dargestellt. Die weißen für hochklassige Charaktere, die roten Varianten eher für die drittklassigen Charaktere und wahre Dämonen. Die Hannya Maske kann den Umfang eines Charakters darstellen wie auch seine Eifersucht und sie kann auch Sorge zeigen. Sie steht für theatralische Expression und ist in der Lage, einen großen Umfang von Emotionen zu zeigen. In Irezumi können Hannya Masken auch alleine stehen, aber sie können genauso mit anderen Masken zusammen dargestellt werden oder auch mit einem weißen Fuchs.
Oni - japanische Oger
Übersetzt Oger oder Dämon sind Oni muskulär und brutal. In Irezumi haben sie nach bekannter Tradition rote, blaue oder grüne Haut und tragen Speere. Den Tattoos werden sie manchmal mit drei Augen statt nur zwei Augen gezeigt. Außerdem haben sie drei Finger, manchmal auch vier an jeder Hand und Hörner auf ihrem Kopf, damit man sie besser von Menschen unterscheiden kann. Sie kommen nicht aus unserer Welt. Eigentlich Körperlos haben die Oni nach dem Durchgang durch das Dämonentor Form angenommen. In der japanischen Folklore werden sie mit Tigerfängen abgebildet und tragen Lendenschürze. Sie werden mit Tigern dargestellt. Weibliche Oni, genannt Onibaba, werden mit einer gehörnten Hannya Maske dargestellt. Onibaba aber sind nicht muskulär und verkleiden sich auch nicht in den Streifen des Tigers, wie der männlichen Part. Dies bedeutet aber nicht, dass sie weniger beängstigend sind. Während Oni dafür bekannt sind Menschen zu fressen, werden in Irezumi nicht alle Oni als bösartig dargestellt. Oni können auch dazu genutzt werden das Böse zu vertreiben, wie einige Dächer in buddhistischen Tempeln beweisen.
Namakubi: abgetrennte Köpfe
Namakubi bedeutet frisch abgetrennte Köpfe und sind im Irezumi eines der finstereren Motive. Sie zeigen ramponierte und blutige Gesichter, unter anderem auch von Samurai Kriegern. Kurze Klingen oder Pfeile stecken in ihren Schädel. Manchmal sind die Gesichter in Seile gewickelt, sodass man vermuten kann, dass sie gehängt wurden oder gezogen wurden. Beides ist am Ende gruselig und verstörend und genau darum geht es. Sie sollen uns an die Brutalität des Lebens erinnern. Namakubi werden sogar im Buddhismus abgebildet. Dort stellen sie jedoch die Gegner und Feinde des Buddhismus da. Das Verteilen von Köpfen war im Leben eines Samurai in Japan an der Tagesordnung. Nicht nur als Bestrafung, sondern auch als Bestandteil des Seppuku (Selbstmord). Wenn ein Samurai sich in den Bauch gestochen hatte wurde ein Kaishakunin gerufen, der dem Samurai den Kopf abschlug, sodass er schnell sterben konnte bevor er verblutete. Unter den Samurais war es Tradition die abgetrennten Köpfe seiner Freunde zu sammeln. Einige Köpfe wurden auch in der Öffentlichkeit ausgestellt um eine grausame Warnung für alle zu sein die versuchten die Hochklassigen anzugreifen.
Monströse Yokai
Yokai sind mehr als einfache japanische Monster. Sie sind Kreaturen der Landesfolklore. Manchmal sind sie gut und manchmal sind sie schlecht. Kein Wunder, dass Eltern traditionell Yokai dazu nutzten, ihre Kinder davor zu ängstigen, falsche Dinge zu tun. Und kein Wunder, dass Kinder sie dazu nutzten, sich gegenseitig zu ängstigen. Es gibt Yokai in der japanischen Pop-Kultur und es sollte nicht überraschend sein, dass sie auch in den Irezumi auftauchen. Sie sind einige aber definitiv nicht alle der in Tattoos am meisten verwendeten.
Chochin Obake: Papierlaternengeist
Dies ist eine Laterne, die eine lange Zeit in den Diensten der Menschheit stand. Ihr ist nicht nur ein Auge gewachsen, sondern auch eine lange Zunge. Dieser Yokai verursacht keine physischen Schmerzen, aber sie verbreitet Angst und Schrecken. Im Prinzip ist sie ein gejagtes Relikt. Diese Objekte wurden nach vielen Jahren von Gebrauch animiert. Diese Idee stammt aus der japanischen Religion und dem Glauben, dass alles, auch Objekte die wir besitzen, eine Seele hat.
Baku: Traumfresser
Diese Kreatur frisst Träume. Der Baku ist ein Sammelsurium von Tieren, mit dem Kopf eines Elefanten, dem Körper eines Bären, den Klauen eines Tigers, dem Schwanz eines Ochsen und den Augen eines Nashorns. Daher hat er definitiv nicht das beste Aussehen unter den Bestien und man sagt ihm nach, dass er Albträume bringe.
Kasa Obake: der Regenschirmgeist
Dem Regenschirmgeist wird relativ harmlos nachgesagt, dass er Leute verfolgt und an ihnen leckt.
Kappa: Wassergoblin
Eine im Wasser lebende Art der Koi sind die Kappas. Sie sind in der Lage in Flüssen oder Seen zu leben. Sie sind dafür bekannt, die Knöchel von Schwimmern zu greifen, sie unter Wasser zu ziehen und zu ertränken. Ach und außerdem können Sie den Darm entfernen indem sie unerwartet mit der Faust in den Anus des Menschen eindringen.
Tengu
Es gibt zwei Arten von Tengu: die karasu-tengu (krähenähnlichen) und die hanadaka (rotnasigen). Sie sind berühmt für ihre Fähigkeiten die Katana-Schwerter zu schwingen. Die Hanadaka-tengu, welche auch gut mit dem Schwert umgehen können, wurden so oft auf Spielkarten abgebildet, dass man sie irgendwann mit Glücksspiel assoziierte. Handaka-tengu werden oft mit der großen Shinto Gottheit Sarutahiko Okami verwechselt, welcher ebenfals eine lange Nase und ein rotes Gesicht hat. Karasu-tengu werden nicht mit der Gottheit verwechselt, da sie krähenähnliche Schnäbel und schwaze Federn haben.
Lucky Tanuki
Ein boshafter Gestaltenwandler mit enorm großen Hoden. Der Tanuki ist einer in Japan beliebtesten Yokai. Tanuki sind dafür bekannt, ihre Hodensäcke als Decken oder Tische zu benutzen. Sie bringen Glück. Die Idee ist, dass jemand der so große Nüsse hat, viele gute Dinge bringen wird, denn das japanische Wort für Hoden ist Kitas. Dies bedeutet wörtlich goldene Bälle.
Nekomata Katzen
Diese zwei-schwänzigen Katzen können aufrecht gehen und sogar tanzen. Sie sind nicht nur in der Lage, sich mit Menschen zu unterhalten, sondern können auch den Tod auferwecken und kontrollieren, um Rache an den Lebenden zu üben, was bedeuten kann, sie zu töten und zu essen.